Archiv für November 2009

Portal für Heizung und Haustechnik Interview mit dem Betreiber

Montag, 9. November 2009

In diesem Interview stellen wir Ihnen Herrn Zumbrink, den Betreiber des Portals für Heizungen und Haustechnik IBkammelter.de vor.

Hallo Herr Zumbrink, bitte stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor.
Ich bin seit Anfang der 1970er Jahre im Bereich der Gebäudetechnik tätig, hier vor allem in den Gewerken der technischen Gebäudeausrüstung, Heizung-, Lüftung- und Sanitärtechnik. In den ersten knapp 20 Jahre meiner beruflichen Tätigkeit habe ich in ganz Deutschland den Neu- und Umbau von Krankenhäuser betreut. Dabei handelte es sich überwiegend um die Ausführungsplanung und die anschließende Bauleitung. Mein Hauptaugenmerk lag aber immer auf dem Planungsbereich, deswegen bin ich Ende der 1980er Jahre zu dem Ingenieurbüro Kammelter gewechselt, dessen Inhaber ich heute bin. Wir sind vor allem im Großanlagenbau im Bereich von Krankenhäusern, Hotels, größeren Betriebsgebäuden oder auch Heizkraftwerken tätig. Die Objekte werden von uns alle planerisch betreut und während der Ausführungsphase überwacht.

Sie betreuen die Website IBkammelter.de. Wie ist die Idee zu dieser Website entstanden?
Ursprünglich war die Website des Ingenieurbüros Kammelter eine reine Firmenwebsite, auf der wir unsere aktuellen Projekte vorgestellt und entsprechende Referenzlisten ausgewiesen haben. Die Website entstand Mitte der 1990er Jahre, wurde allerdings über lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Da ich schon immer Spaß daran hatte Websiten zu machen, habe ich mich Ende 2006 dazu entschlossen, die Seite zu einem Portal für Heizung und Haustechnik umzuwandeln und mehr Aktuelles aus der Haustechnik und fachtechnisches Wissen auf die Seite zu bringen.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dieser Website? Welche Zielgruppe möchten Sie mit dieser Seite erreichen?
Die Zielgruppe der Seite sind eigentlich ambitionierte Bauherren, die eine passende Heizung für ihren Neubau suchen und Immobilienbesitzer, die ihre Heizungsanlage erneuern und das Gebäude energetisch sanieren möchten. Dazu kommen natürlich auch noch kleine Handwerksbetriebe die vielleicht neue Ideen für die eigene Kundschaft suchen. Damit hier ein besserer Austausch von Meinungen und Informationen erfolgen kann, habe ich jetzt auch ein Forum und einen Blog installiert.

Sie arbeiten selber in einem Ingenieursbüro. Konnten Sie in den letzten Jahren bei Ihren Kunden einen verstärkten Trend  zu regenerativen Energien feststellen?

Sicher ist hier ein Trend zu einem verstärkten Einsatz von regenerativen Energien zu spüren. Man muss allerdings sagen, dass im Bereich unserer Projekte und das sind vor allem sehr große Bauvorhaben, regenerative Energien so gut wie nicht eingesetzt werden. Der Grund dafür ist eigentlich recht simpel: Es gibt bei solchen Bauvorhaben Budgets für die Investitionen. Wenn ich einem Bauherren erkläre, er soll eine halbe Million Euro in eine Solaranlage stecken, damit er in 15 Jahren Geld spart, brauch ich mir um einen Auftrag keine Gedanken mehr zu machen. Was zum Teil gemacht wird, sind Blockheizkraftwerke zur Kraft-Wärme-Kopplung, gerade im Hotel und Krankenhausbau ist das interessant, weil hier fast immer Wärme und Strom benötigt wird.

Projekte die auf regenerative Energien setzen, funktionieren eigentlich nur bei staatlicher Förderung. Wir haben im Jahr 2000 die größte thermische Solaranlage in NRW geplant und während der Bauphase betreut. Die Anlage ist auf dem Dach eines Krankenhauses in 60 Meter Höhe installiert und hat eine Kollektorfläche von knapp 200 m². Die gewonnen Wärmeenergie wird ausschließlich für die Warmwasserversorgung genutzt. Das Projekt wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts durchgeführt und ist fast komplett im Rahmen des Programms Solarthermie 2000 staatlich gefördert worden. Ohne eine solche Förderung wäre ein derartiges Projekt für den Krankenhausbetreiber nicht möglich gewesen. Übrigens, die meisten Solarspeicher mit thermischen Klappen, die man heute in den Katalogen findet, wurden auf Basis dieser Forschungen mitentwickelt.

Sie bieten den Besuchern Ihrer Website viele Informationen über regenerative Energien. Amortisieren sich diese Heizsysteme schneller als z.B. eine Elektro- oder Gasheizung?
Ja, die Frage zur Gas- oder Elektroheizung kann sich eigentlich jeder schnell selber ausrechnen bei einem Strompreis von 14 Cent/kWh und einem Gaspreis von 5,76 Cent/kWh und es ist auch nicht davon auszugehen, das Strom deutlich günstiger als Gas werden dürfte. Bei der Amortisierung von Maßnahmen zur energetischen Sanierung bin ich immer dafür nichts zu pauschalisieren. Jedes Gebäude muss da wirklich gesondert betrachtet werden. Unter ökologischen Gesichtspunkten sieht das anders aus, da spare ich natürlich immer beim CO2-Ausstoß, wenn ich keine fossilen Brennstoffe wie Öl oder Gas verbrenne. Nur bei der Wirtschaftlichkeit vergessen viele, dass erst mal hohe Investitionen erforderlich sind, um überhaupt etwas an Energie zu sparen.

Neben Ihrer Website betreuen Sie auch einen Blog und ein Forum. Wie werden diese von Ihren Besuchern genutzt? Welchen Stellenwert messen Sie dem Internet  als Informationsquelle rund um die Themen Energie und Heiztechnologien bei?
Blog und Forum habe ich gerade erst online gestellt, da hoffe ich dass sich in den nächsten Wochen und Monaten mehr tut. Das Internet bietet eine Flut an Informationen und ich glaube, dass es für viele auch sehr verwirrend ist und leider dort auch oft mit Zahlen jongliert wird, die einfach falsch sind. Gerade mit dem Forum will ich auch versuchen Fragen zu beantworten. Es hatte sich in letzter Zeit gehäuft, dass mich Bauherren angerufen haben. Nur kann ich kein Planung am Telefon machen und im Forum können dann dies auch andere lesen und erhalten vielleicht die ein oder andere Antwort auf ihre Fragen.

Wie wird sich die Heizungsbranche aus Ihrer Sicht in den nächsten 20 Jahren entwickeln? Welche Heiztechnik wird einen Aufschwung erleben?
Die Frage ist recht schwierig. Vor einigen Jahren war die Brennstoffzelle noch das Nonplusultra, davon hört man nur noch wenig, da die Probleme bei der Erzeugung des Wasserstoffs wohl schwierig in den Griff zu kriegen sind. Gas, Öl und Kohle werden vermutlich auch die nächsten 20 Jahre kaum aus der Wärmeversorgung verschwinden, wobei der Anteil natürlich kleiner wird. Bei Neubauten sehe ich eigentlich kaum Probleme, die sind erstklassig gedämmt und können so auch mit regenerativen Energien gut beheizt werden. Problematischer sieht die Frage im Altbau-Bereich aus. Hier gibt es eigentlich viel zu viele Gebäude, die schlecht gedämmt und so für erneuerbare Energien ungeeignet sind. Vor allem fehlende Heizflächen in Form von Fußbodenheizung bzw Wandheizung können nur schwierig ersetzt werden.

Darf ich fragen, welche Heiztechnik Sie privat nutzen? Legen Sie großen Wert auf regenerative Energien?
Ich habe einen gasbefeuerten Standardkessel, der im Niedertemperaturbereich arbeitet. Die einzige regenerative Energie, die ich privat nutze, ist das Scheitholz in meinem Kamin, den ich in der Übergangszeit betreibe.

Wie alt ist Ihre Heizung? Steht bald eine Modernisierung an? (Wenn ja, welche Heizung haben Sie für die Modernisierung im Auge? Über welche Informationsquellen nutzen Sie?)
Wie oben schon ausgeführt, die Heizungstechnik ist schon etwas älter, so ungefähr 22 Jahre und bedürfte natürlich einer Sanierung. Die Schwierigkeit ist eigentlich, dass die Dämmung des Gebäudes schlecht ist. Die Wände bestehen aus ca. 80 cm starkem Sandstein und die Fassade kann man kaum dämmen, da auch noch die Fenster Stuck-Umfassungen haben. Das sind halt genau die Gebäude, wo ich eben echte Probleme sehe mit Umweltenergie zu arbeiten. Die einzige Chance, die ich derzeit sehe hier etwas zu sparen, ist eine Pelletheizung oder eine Kombination Pellet mit Scheitholz. Die Einsparungen bei den Brennstoffkosten dürften bei 50 Prozent liegen, dagegen stehen aber die relativ hohen Investitionen.

Vielen Dank Herr Zumbrink für das interessante Interview!